SEO & GEO

SEO oder GEO? Warum du dich nicht entscheiden musst

Von Julia Sturm, Gründerin von Digital You, Innsbruck ·

Titelbild: SEO oder GEO? Warum du dich nicht entscheiden musst. SEO ist die Basis, GEO baut darauf auf.

Kurz gesagt

SEO oder GEO? Diese Entscheidung musst du nicht treffen. SEO schafft die Basis, GEO baut darauf auf. Wer bei Google nicht gefunden wird, hat auch bei KI-Systemen schlechte Karten.

Das Wichtigste in Kürze

  • SEO und GEO sind keine Alternativen, sondern zwei Stufen. SEO sorgt dafür, dass deine Website gecrawlt, indexiert und für relevante Suchanfragen gefunden wird. GEO sorgt dafür, dass KI-Systeme deine Inhalte als Quelle nutzen und deine Marke korrekt nennen.
  • Google selbst sagt: Für AI Overviews und AI Mode gibt es keine zusätzlichen Anforderungen. Es gelten dieselben SEO-Grundlagen wie für die normale Suche.
  • Die Daten bestätigen das: In der SISTRIX/LEAP-Studie 2026 entfallen auf das sichtbarste Fünftel der rund 2.500 untersuchten Onlineshops etwa 72 % aller KI-Zitierungen, auf das unsichtbarste nur etwa 1 %.
  • Integriert wirkt besser als getrennt: Laut Semrush melden 81 % der Unternehmen, die SEO und KI-Sichtbarkeit gemeinsam steuern, mehr Traffic oder Leads aus KI-Plattformen. Bei getrennter Steuerung sind es 36 %.
  • Ein Ranking allein reicht aber nicht mehr. Laut Ahrefs ranken nur noch rund 38 % der in AI Overviews zitierten Seiten für dieselbe Suchanfrage in den Top 10. Genau hier setzt GEO an.

Was ist SEO, was ist GEO?

SEO (Search Engine Optimization) ist die Optimierung einer Website für Suchmaschinen wie Google und Bing. Ziel ist es, für relevante Suchanfragen möglichst weit oben in den Suchergebnissen zu erscheinen und darüber Besucher zu gewinnen. Eine ausführliche Einführung findest du im Artikel Was ist SEO?

GEO (Generative Engine Optimization) ist die Optimierung für KI-Antwortsysteme wie ChatGPT, Gemini, Perplexity, Microsoft Copilot sowie Googles AI Overviews und AI Mode. Ziel ist es, dass diese Systeme deine Inhalte als Quelle verlinken und deine Marke in ihren Antworten nennen. Dafür sind auch die Begriffe AEO (Answer Engine Optimization) oder LLMO üblich.

SEO und GEO im Vergleich
SEOGEO
ZielGute Platzierung in den SuchergebnissenNennung und Zitierung in KI-Antworten
Wo sichtbarGoogle, Bing (klassische Ergebnisliste)ChatGPT, Gemini, Perplexity, Copilot, AI Overviews, AI Mode
ErfolgsgrößeRankings, Klicks, ConversionsErwähnungen, Zitierungen, Darstellung der Marke
VoraussetzungCrawlbare, indexierbare, relevante SeitenAlles aus SEO plus zitierfähige Inhalte und eine klar erkennbare Marke

Die letzte Zeile ist der Kern dieses Ratgebers: GEO übernimmt die Voraussetzungen von SEO und ergänzt sie.

Warum die Frage „SEO oder GEO?“ in die Irre führt

Die Frage unterstellt zwei getrennte Wege. Tatsächlich greifen KI-Systeme auf dieselbe Grundlage zu wie Suchmaschinen: auffindbare, indexierte Webinhalte.

Google formuliert es eindeutig. In der offiziellen Dokumentation zu KI-Funktionen heißt es sinngemäß: Es gibt keine zusätzlichen Anforderungen und keine speziellen Optimierungen, um in AI Overviews oder AI Mode zu erscheinen. Eine Seite muss die technischen Voraussetzungen der Google-Suche erfüllen, die Richtlinien einhalten und hilfreiche, verlässliche Inhalte für Menschen bieten (Google Search Central).

KI-Antworten entstehen aus Suchanfragen. Google bestätigt, dass AI Overviews und AI Mode eine Technik namens „Query Fan-Out“ nutzen können. Dabei wird eine Frage in mehrere verwandte Teilsuchen zerlegt, deren Ergebnisse in die Antwort einfließen. Wer für diese Teilsuchen nicht auffindbar ist, kommt als Quelle kaum infrage.

Trotzdem reicht klassisches SEO allein nicht. Ahrefs hat im März 2026 rund 863.000 Suchergebnisseiten und 4 Millionen zitierte URLs ausgewertet. Nur noch etwa 38 % der in AI Overviews zitierten Seiten standen für genau dieselbe Suchanfrage in den Top 10. Ein Jahr zuvor waren es rund 76 %. Ahrefs erklärt das mit dem Query Fan-Out: Zitiert werden Seiten, die in den Teilsuchen auftauchen (Ahrefs).

Daraus folgt keine Entweder-oder-Entscheidung, sondern eine Reihenfolge. SEO macht deine Inhalte auffindbar. GEO sorgt dafür, dass sie ein Thema so vollständig und klar abdecken, dass KI-Systeme sie für viele verwandte Fragen auswählen.

Was die Studien zeigen

Drei aktuelle Auswertungen großer Datenanbieter zeigen dasselbe Muster: Starke organische Sichtbarkeit ist die Eintrittskarte, KI-Sichtbarkeit braucht zusätzlich eigene Arbeit.

Studien zum Zusammenhang zwischen SEO und KI-Sichtbarkeit
StudieDatenbasisZentrales ErgebnisBedeutung
SISTRIX & LEAP: KI & SEO im deutschen E-Commerce 2026 (Sept. 2026)rund 2.500 umsatzstärkste deutsche OnlineshopsRangkorrelation zwischen Sichtbarkeit und KI-Nennung 0,66. Das sichtbarste Fünftel erhält rund 72 % der KI-Zitierungen, das unterste etwa 1 %.SEO ist Voraussetzung für KI-Sichtbarkeit
Semrush AI Visibility Index 2026 (Juni 2026)126 Mio. US-Prompts, Jan.–Apr. 2026, plus Umfrage81 % der Unternehmen mit integrierter SEO- und KI-Strategie melden mehr Traffic oder Leads aus KI-Plattformen, bei getrennter Steuerung 36 %.Gemeinsam steuern statt in Silos
Ahrefs: AI-Overview-Zitierungen und Top 10 (März 2026)863.000 Suchergebnisseiten, 4 Mio. zitierte URLsNur rund 38 % der zitierten Seiten ranken für dieselbe Anfrage in den Top 10 (Juli 2025: rund 76 %).Ein einzelnes Ranking reicht nicht, Themenabdeckung zählt

Zwei weitere Befunde aus der SISTRIX-Studie sind für die Praxis wichtig. Erstens zitieren Googles AI Overviews und AI Mode Shops sehr ähnlich (Korrelation 0,86), ChatGPT dagegen deutlich anders (0,45 bis 0,49). Wer bei Google zitiert wird, ist es also nicht automatisch bei ChatGPT. Zweitens lösten 69,7 % der informationalen Suchen bereits ein AI Overview aus, bei Kaufabsicht nur 0,2 %. KI verändert vor allem die Recherchephase.

Semrush zeigt außerdem, dass Erwähnung und Zitierung zwei verschiedene Dinge sind. Bei Gemini kann die Überschneidung zwischen genannten Marken und zitierten Domains bei nur 30 % liegen. Eine Marke kann also in der Antwort vorkommen, ohne dass ihre Website als Quelle verlinkt wird.

Einordnung: Die Studien messen Zusammenhänge, keine direkten Ursachen. SISTRIX betont selbst, dass Sichtbarkeit die KI-Nennung nicht zwingend erklärt, sondern wahrscheinlich die Voraussetzung dafür ist.

Erst das Fundament, dann der Aufbau

„Die Frage SEO oder GEO stellt sich eigentlich gar nicht. Mit SEO schaffen wir die Basis, und GEO baut darauf auf.“
— Julia Sturm, Gründerin von Digital You

Das SEO-Fundament

Ohne diese Punkte hat eine Seite weder bei Google noch in KI-Antworten eine Chance:

  • Technik: Seiten sind crawlbar und indexierbar, laden schnell und sind für Suchmaschinen lesbar. Was nicht im Index ist, kann auch nicht als Quelle dienen.
  • Struktur: Eine klare Seitenarchitektur und interne Verlinkung, damit Suchmaschinen Zusammenhänge verstehen. Google nennt interne Links ausdrücklich auch für KI-Funktionen als sinnvoll.
  • Inhalte nach Suchintention: Jede Seite beantwortet eine konkrete Frage oder löst ein konkretes Problem deiner Zielgruppe.
  • Autorität: Verweise und Erwähnungen von anderen, vertrauenswürdigen Websites.

Der GEO-Aufbau

Auf dieser Basis setzt GEO an. Es geht darum, ausgewählt zu werden, nicht nur gefunden:

  • Themen statt einzelner Keywords: Weil KI-Systeme Fragen in Teilsuchen zerlegen, sollten deine Inhalte ein Thema mit seinen Unterfragen abdecken. Themen-Cluster aus einer Hauptseite und vertiefenden Seiten passen dazu.
  • Zitierfähige Passagen: Die Antwort steht am Anfang eines Abschnitts, kurz und eindeutig. Definitionen, Zahlen mit Quelle und klare Überschriften machen es einem System leicht, eine Passage zu übernehmen.
  • Eine klar erkennbare Marke: KI-Systeme stützen sich auch auf Drittquellen wie Bewertungen, Fachportale, Communitys und Videoplattformen. Je einheitlicher dein Unternehmen dort beschrieben wird, desto sicherer wird es eingeordnet. Semrush nennt das als einen wesentlichen Faktor für stabile KI-Sichtbarkeit.
  • Messung je System: Da Google-KI und ChatGPT unterschiedlich zitieren, lohnt der Blick auf jedes System einzeln statt auf eine Gesamtzahl.

Was das konkret bedeutet, wenn du bei Google schon gut rankst, in ChatGPT aber fehlst, zeigen wir im Artikel Seite 1 bei Google, aber unsichtbar in ChatGPT.

EEAT: das Bindeglied zwischen SEO und GEO

EEAT steht für Experience, Expertise, Authoritativeness und Trustworthiness, also Erfahrung, Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit. Google nutzt diese Kriterien, um die Qualität von Inhalten einzuordnen, und nennt Vertrauen als wichtigsten Teil (Google Search Central).

Für GEO ist EEAT doppelt wertvoll. Google wendet für AI Overviews und AI Mode dieselben Qualitätsgrundsätze an wie für die Suche, und eine klar erkennbare Herkunft macht Inhalte auch für andere KI-Systeme leichter einzuordnen. So setzt du EEAT um:

EEAT-Kriterien und wie du sie zeigst
KriteriumWas es bedeutetSo zeigst du es
ExperienceEigene, praktische Erfahrung mit dem ThemaFallbeispiele, eigene Projektdaten, Erkenntnisse aus der Praxis
ExpertiseNachweisbares FachwissenAutorenangabe mit Qualifikation, fachlich korrekte und geprüfte Inhalte
AuthoritativenessAnerkennung durch andereErwähnungen und Verlinkungen von Fachmedien, Vorträge, Lehrtätigkeit
TrustworthinessVerlässlichkeit und TransparenzQuellenangaben, Impressum, Kontaktdaten, Aktualisierungsdatum

Der stärkste Hebel ist exklusives Wissen. Allgemeine Informationen findet ein KI-System überall. Eigene Daten, Auswertungen und Erfahrungen aus Kundenprojekten gibt es nur bei dir. Damit wirst du zur Quelle, die zitiert werden kann.

Technisch unterstützen strukturierte Daten diese Signale: Article mit Autor (Person) und Herausgeber (Organization) machen für Maschinen eindeutig, wer hinter einem Inhalt steht.

So gehst du vor: die richtige Reihenfolge

  1. Bestandsaufnahme: In der Google Search Console prüfen, welche Seiten indexiert sind und für welche Suchanfragen sie erscheinen. Klicks aus AI Overviews und AI Mode sind dort im gesamten Suchtraffic enthalten.
  2. Technische Basis sichern: Crawling- und Indexierungsfehler beheben, Ladezeiten verbessern, interne Verlinkung ordnen.
  3. Themen statt Keywords planen: Kernthemen festlegen und je Thema die Fragen sammeln, die deine Zielgruppe stellt. Daraus entstehen Hauptseiten und vertiefende Unterseiten.
  4. Inhalte zitierfähig schreiben: Antwort zuerst, klare Überschriften, Zahlen mit Quelle, Autor mit Qualifikation, eigenes Praxiswissen.
  5. Marke außerhalb der Website stärken: Einheitliche Unternehmensangaben auf Branchenportalen, Bewertungsplattformen, LinkedIn und YouTube. Fachbeiträge und Erwähnungen in relevanten Medien aufbauen.
  6. KI-Sichtbarkeit messen: Regelmäßig prüfen, ob und wie deine Marke in ChatGPT, Gemini, Perplexity und den Google-KI-Funktionen erscheint, getrennt nach System.
  7. Laufend nachschärfen: KI-Zitierungen sind nicht stabil. SISTRIX weist darauf hin, dass eine Quelle, die heute genannt wird, wenige Wochen später wieder fehlen kann. GEO ist deshalb kein einmaliges Projekt.

Schritt 1 und 2 sind reines SEO. Ab Schritt 3 greifen SEO und GEO ineinander. Genau deshalb ist eine Trennung in zwei Disziplinen in der Praxis wenig hilfreich. Wie wir das bei Digital You umsetzen, erklären unsere Guides zu SEO und GEO und KI-Sichtbarkeit.

Häufige Fragen

Brauche ich GEO, wenn ich bei Google gut ranke?

Ja, als Ergänzung. Gute Rankings erhöhen die Chance auf KI-Zitierungen deutlich, garantieren sie aber nicht. Laut Ahrefs ranken nur rund 38 % der in AI Overviews zitierten Seiten für dieselbe Anfrage in den Top 10.

Kann ich GEO ohne SEO betreiben?

Kaum. KI-Systeme brauchen auffindbare Inhalte. In der SISTRIX/LEAP-Studie erhalten die am wenigsten sichtbaren Shops nur etwa 1 % der KI-Zitierungen.

Gibt es spezielle technische Maßnahmen für AI Overviews?

Nein. Google nennt keine zusätzlichen technischen Anforderungen. Die Seite muss indexiert sein und für die Anzeige in der Suche infrage kommen.

Werde ich automatisch in ChatGPT genannt, wenn Google mich zitiert?

Nein. SISTRIX misst zwischen den Google-KI-Funktionen und ChatGPT nur eine Korrelation von 0,45 bis 0,49. Jedes System hat eigene Quellenmuster.

Wie messe ich KI-Sichtbarkeit?

In der Search Console stecken Klicks aus AI Overviews und AI Mode im gesamten Suchtraffic. Für ChatGPT, Gemini und Perplexity braucht es spezialisierte Tools, die Erwähnungen und Zitierungen je System auswerten. Laut Semrush können 45 % der Marketingverantwortlichen ihre Sichtbarkeit in KI-Antworten nicht genau messen.

Quellen

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